Helsinki School of Arts & mehr


09.06.2016, Alter: 1 Jahr(e)

Faszinierende Einblicke in einen unterschätzten Kunstmarkt

Fotos: Didrichsen, Kiasma, Nadja von Busek, Tamara Pilloli

Wenn man den Ehrgeiz hat, alle europäischen Hauptstädte besucht zu haben, dann pinnt auf "Helsinki" möglicherweise nicht eine der allerersten Stecknadeln auf der dem Plan zugehörigen Assessment-Karte. Dabei ist es eine wunderschöne Stadt in berückender landschaftlicher Umgebung mit Menschen, denen man schon nahe ist, bevor man sie kennt.

Noch erstaunlicher ist die Diskrepanz zwischen Helsinkis sträflich unterschätztem Rang als Kunstmetropole und dem tatsächlichen Geschehen. Was die Protagonisten sympatischerweise in keinster Weise zu stören scheint, ist ihr Erfolg doch nicht zuletzt der allgemeinen Verweigerung der Teilnahme an dem Theater, das in unseren Breiten als "Kunsthype" gefeiert wird, geschuldet. Der finnische Kunstmarkt lebt von einer erfrischenden Interaktion aller Partizipanten, ohne Berührungsängste und ohne der Angst vor Übervorteilung durch Preisgabe von Inhalten.

Einer grandios vom Berliner Art Lovers Club organisierten Kunstreise in die nordische Hauptstadt verdanken wir gleichzeitig umfassende wie intime Einblicke in einen Kunstmarkt, der qualitativ in Tiefgang, inhaltlichem wie technischem Spektrum und nicht zuletzt Qualität mühelos mit denen der großen Kunststandorte Schritt hält. Während uns junge und etablierte Künstler oftmals zum ersten Mal einen Blick in ihre Ateliers gewährten, vermittelten Sammler und Mäzenen von internationalem Rang uns sehr persönliche Blickachsen auf ihre mit größter Energie und Professionalität gelebte Leidenschaft.

Besonders schlüssig und eindringlich wirkt die Kunst natürlich im Dialog mit dem allgegenwärtigen finnischen Design. Seit Alvar Aalto und Eero Saarinnen hat Finnland sich als eines der absolut führenden Design-Nationen Europas entwickelt.

Der erste Eindruck vom finnischen Kunstgeschehen macht große Lust auf mehr. Und die Hoffnung wächst, dass wir zukünftig auch im europäischen Kontext mehr inspirierende Werke unserer nordöstlichen Nachbarn sehen können. Die Unterstützung der finnischen Protagonisten dürfte bei diesem Vorhaben gesichert sein.