Akademie der Bildenden Künste 2015


27.07.2015, Alter: 3 Jahr(e)
Von: Nina Zöpnek

Grandioser Saisonabschluss

Nach Mitternacht war es schon, als ich mich am Eröffnungstag der Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste entschloss, doch noch hinzuspazieren. Die Erwartung war eigentlich, schon geschlossene Türen anzutreffen und eventuell noch vereinzelte Studenten mit Pappbechern und Wein auf der Wiese davor. Doch da hatte ich mich eindeutig geirrt.

An der Kreuzung Türkenstraße – Akademiestraße schallte mir schon Musik aus den geöffneten Fenstern des zweiten Stocks des Akademiegebäudes entgegen und auch das typisch dumpfe Gemurmel von unzähligen Stimmen, die angeregt auf den Treppen davor diskutierten.

Der Innenraum des Gebäudes war ein Ameisenhaufen aus freudig-erregten Akademiestudenten, deren Freunden und Angehörigen, alle in ausgelassener Stimmung mit der obligatorischen Bierflasche in der Hand. Mit Musik im Ohr und dem Bier in der Hand bahnte man sich also seinen Weg durch die Menschenmenge zu den unterschiedlichsten Klassenräumen, in denen die Werke der Jahresausstellung präsentiert wurden.

Obwohl die Stimmung mitreißend war und auch die Kunstwerke an diesem Abend ganz wunderbar auf mich wirkten, beschloss ich auf dem Heimweg, mir die Ausstellung noch ein weiteres Mal anzusehen, mit mehr Zeit und innerer Ruhe.

Also tat ich das dann auch, zufälligerweise am 26. Juli, dem letzten Tag der Ausstellung, als die Abschlussveranstaltung lief. Diese verlief aber um einiges ruhiger, es wurden Führungen von Studenten angeboten, es gab Podiumsdiskussionen und Performances. In beinahe jedem Raum waren ausgestellte Werke vorzufinden, die von Interior-Design, über Malerei, Zeichnungen, Skulpturen, bis hin zu Fotografie, Grafik und Filmkunst reichten. Eine Studentin der Schmuck-Klasse führte mich und noch weitere Interessierte durch ausgewählte Räume. Wir beobachteten ein Box-Training in einem kaum beleuchteten Raum, durften fotorealistische Gemälde bewundern, konnten eine neue Raumwahrnehmung in einem eigens dafür gebauten hölzernen Treppenhaus auf uns wirken lassen, wurden zu Zwergen auf einer überdimensional gestalteten Picknick-Decke und mussten auf einige sicherlich wunderbare Kunstwerke verzichten, die leider aufgrund einer Unstimmigkeit zwischen Studenten und Akademieleitung abgehängt worden waren. Denn die Akademieleitung hat Kritik geäußert am – ihrer Meinung nach – ungezügelten Ablauf der Eröffnungsveranstaltung und der Unsicherheit, welcher die Kunstwerke im Laufe der Ausstellung ausgesetzt wären. Um dieser Kritik kritisch entgegenzutreten, haben einige Studenten beschlossen, ihre Werke abzuhängen und diese mit einem Hinweis auf die Sicherheit zu ersetzen. Auch Eingangskontrollen waren am letzten Tag -  wenn auch weniger ernst, sondern mehr als Performance gewisser Studenten - eingeführt worden.

Trotz der Unvollständigkeit der Jahresausstellung war sie eine der wenigen Kunstveranstaltungen in diesem Jahr, in welcher die Leidenschaft für die Werke, die Materialien, die Kunst an sich deutlich zu spüren war. Die Kunst hängt hier nicht leblos an der Wand, sondern bettet sich ein in eine Umgebung die durch Graffities an den Wänden, Farbspritzern am Boden und umherrollenden Spraydosen die Unmittelbarkeit der Herstellung der Werke suggeriert.

Mal sehen, was uns im kommenden Jahr erwartet.