Das Salz der Erde


23.03.2015, Alter: 3 Jahr(e)

Eine atemberaubende Künstlerbiographie von Wim Wenders

Wim Wenders Das Salz der Erde

Der Sitz in der Mitte des Kinosaals ist eingenommen. Das Licht erlischt langsam. Die Kinoleindwand wird beleuchtet. Und es macht sich ein leichtes Gefühl der Vorfreude auf den kommenden Film im Bauchraum breit. Man hat im Vorfeld ein wenig recherchiert, hat sich das Werk des Biographierten angesehen, hat Kritiken gelesen. Doch selbst die leiseste Vorahnung kann dem, was einen erwartet, nicht gerecht werden.

Die sanfte Stimme von Wim Wenders fängt an, von seiner Verbindung zu Sebastiao Salgado zu erzählen. Davon, dass er durch Zufall in einer Galerie in Los Angeles über zwei Fotografien des Brasilianers gestoßen ist, diese ihn durch deren Ausdruckskraft derart in den Bann gezogen haben, dass er nicht umhin konnte, sie mitzunehmen. Und schon blickt man selbst gebannt auf diese Aufnahmen in Schwarz-Weiß, die einem, obwohl es sich um Momentaufnahmen handelt, lange, bewegende Geschichten zu erzählen scheinen.

In den folgenden zwei Stunden taucht man ein in das spannende Leben des sozialdokumentarischen Fotografen Sebastiao Salgado. Geboren und aufgewachsen in Brasilien wurde er von seinem Vater dazu überredet, ein "sinnvolles" Studium abzulegen, also Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Allerdings sollte er sein angelerntes Wissen später auf eine Art und Weise nutzen, die sich der Vater nicht hätte erträumen lassen: Es diente ihm auf seinen Abenteuern als Verständnis der wirtschaftlichen Probleme, mit denen er sich aus nächster Nähe auseinander setzte. Denn was Salgado mit der Unterstützung seiner Frau tat, grenzt an Selbstaufgabe, die nur ein Menschenfreund auf diese Art und Weise schaffen kann. Er reiste monatelang, teilweise sogar mehrere Jahre, durch Krisengebiete Afrikas, abgelegene Dörfer Südamerikas und Teile Europas und hielt dabei unter anderem die Lebensumstände der freiwilligen Goldschürfer in Brasilien, der Verfolgten während der Hutu und Tutsi Aufstände in Ruanda und der Völkerwanderungen Afrikas fest.

Doch selbst der größte Freund der Menschen verliert seinen Glauben an das Gute in uns, wenn er über Jahrzehnte hinweg tagtäglich mit dem Leid unseres Planeten konfrontiert wird. Deshalb zog sich Salgado zurück, reiste an Orte, die heute noch genauso erhalten sind wie zu Anbeginn der Zeit und schenkte uns nach neun Jahren das Werk "Genesis", welches die Schönheit unseres Planeten auf die wundervollste Weise festhält.

"Das Salz der Erde": Ein ebenso aufrüttelnder, wie ästhetisch anspruchsvoller Ausflug rund um die Welt.

Sonntags im Arri Kino in der Türkenstraße: