Verbands(un)wesen


13.11.2013, Alter: 5 Jahr(e)
Von: Uli Billon

Ein Gütesiegel besonderer Art

Wir veranstalten die besten Stadtführungen in München. Jedenfalls ist dies unsere feste Überzeugung. Fachwissen, Kommunikationstalent, Präsentationsskills, Kreativität, alles da, außerdem lieben wir, was wir tun - und das spürt ein jeder unserer Teilnehmer.

Dessen sind wir uns so sicher, dass wir uns diese Qualitätsanspruch von objektiver Seite bestätigen lassen möchten.

Wir landen beim BVGD (Bundesverband der Gästeführer in Deutschland), der sich auf die Fahne schreibt, mit seinem Zertifikat ein deutschlandweit gültiges Siegel für Qualität im Sektor lokaler Kulturvermittlung im Inlandtourismus zu gewährleisten.

Auf schriftliche Anfrage und gegen eine nicht unerhebliche "Bearbeitungsgebühr" übersendet der BVGD uns einen dicken Stoß Papier mit Richtlinien und Voraussetzungen für die Erlangung dieses Gütesiegels, den wir genauestens studieren. Offen bleiben wenige, aber essentielle Fragen. Wir wenden uns also telefonisch an die Geschäftsstelle des Verbandes. Nach maximal zehn Anläufen erreichen wir eine freundliche Dame, die uns an ihren Geschäftsführer verweist. Welcher sich gerne um unser Anliegen kümmern würde.

Nun können wir uns gut vorstellen, dass so ein Verbandsgeschäftsführer ein sehr beschäftiger Mann ist, und rechnen nicht damit, ihn sogleich zu erreichen. Womit wir beinahe richtig liegen. Wir erreichen ihn nämlich nicht nur nicht sogleich, sondern überhaupt nicht. Zumindest nicht telefonisch.

In Zeiten globaler Vernetzung kein Thema, es gibt ja Email. Wir richten also eine schriftliche Anfrage an den Geschäftsführer und bitten um einen Telefontermin. Denn unsere Fragen bedürfen einiger ausführlicher Kommentare unsererseits, die schriftlich darzulegen uns nicht angebracht erscheint.

Schon nach wenigen Wochen kommt die Rückmail des Herr Dr. Geschäftsführer, in welcher er uns darauf hinweis, derzeit sehr beschäftigt zu sein (s.o.), uns aber dennoch einen Telefontermin in sechs bis acht Wochen in Aussicht stellt. Wir sind recht stolz auf das bislang Erreichte.

Nach Ablauf dieser Wartezeit erscheint der Vorgang in unserer Wiedervorlage, wir setzen also erneut eine Email an Herrn Dr. ab mit der Bitte um Angabe ihm passender Termine für ein Telefonat. (WIR werden natürlich jeden Termin wahrnehmen können, wie auch immer, schließlich ist so ein Verbandsgeschäftsführer ein gefragter Mann, ist doch klar. Wir hingegen...)

Professionell wie wir sind, lassen wir zwei Wochen verstreichen und haken daraufhin nochmals nach. Ohne Erfolg, keine Reaktion auf unsere Email, telefonisch nur der AB.

Mittlerweile dämmert uns, dass die Qualitätsansprüche des BVGD, vertreten durch seinen beschäftigten Geschäftsführer, vielleicht am Ende gar nicht den unseren entsprechen. Eine Möglichkeit, die wir angesichts der dick aufgetragenen Kommunikation des Verbandes eben zu diesem Aspekt bislang nie in Erwägung gezogen haben.

Landein, landaus blitzt das BVGD Siegel, angebliches Gütesiegel für Qualität in einem wichtigen Servicesektor, auf den Websites unserer Kollegen. Sind wir neidisch? Enttäuscht? Gar nicht. Wir sind lieber Partner von Europas führendem Vielfliegerprogramm Miles & More. Dort sitzen Profis, die sehr wohl wissen, was Qualität und Kundenorientierung bedeutet. Und die sich ihre Partner wirklich aussuchen können.